Die Stadtpfarrkirche St. Michael steht auf einem hochwasserfreien Hügel im Maintal. Dieser ist wohl seit dem 7. Jhd besiedelt. Genaueres weiß man nicht. Die ersten schriftlichen Belege stammen aus dem Jahre 1296.
An der Kirche wurde über Jahrhunderte gebaut. Ältester erhaltener Teil ist die heutige Sakristei. Der heutige Baukörper wurde um 1500 fertiggestellt. Während der Zeit, als Lohr evangelisch war (1544 – ca. 1618), wurden auf beiden Seiten hölzerne Emporen eingebaut. 1929 baute man diese wegen Baufälligkeit wieder ab.
Eine Besonderheit ist der Kirchenturm. Er gehört nicht der Pfarrgemeinde, sondern der Stadt Lohr. Deren Bürger wollten ihre Bedeutung deutlich sichtbar kundtund und finanzierten zusammen mit den Grafen von Rieneck um 1500 den überproportional großen Kirchturm.
Ursprünglich war die Kirche St. Martin geweiht. Nach der evangelischen Phase wurde gegen erheblichen Widerstand der Lohrer wieder der rechte katholische Glauben eingeführt. Da suchte man auch einen neuen stärkeren Kirchenpatron: den heiligen Erzengel Michael. Noch heute wird zu Kirchweih imbrünstig gesungen „Hilf uns hie kämpfen, die Feinde dämpfen. Sankt Michael“.
Die Innenausstattung wurde immer wieder dem Zeitgeschmack entsprechend restauriert. So stammen die den Gesamteindruck bestimmenden Altäre aus der Zeit um 1900. Einige Figuren aus früheren Altären findet man heute noch an den Seitenwände. Vieles ist aber auch endgültig verschwunden. Auch die bunten Chorfenster stammen aus der Zeit um 1900 und die Orgel aus dem Jahr 1978.
Der Chor der Stadtpfarrkirche Lohr
Die Grafen von Rieneck, im Mittelalter eine bedeutendes Adelsgeschlecht, hatten in Lohr ihren Sitz und in der Stadtpfarrkirche ihre Grablege. Die Epitaphien stehen heute im Chor der Kirche.


Epitaphien der Grafen von Rieneck, linke Seite
Der Chorraum diente ab dem frühen 15. Jahrhundert als Grablege der Grafen von Rieneck, der einst herrschenden Adelsfamilie der Region. Die dort aufgestellten Grabdenkmäler gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken der spätgotischen Plastik in Franken.

- Graf Ludwig von Rieneck († 1408)
– Sandsteinskulptur: Er ist in voller Rüstung dargestellt und steht auf einem Löwen, einem Symbol für Mut und Standhaftigkeit. Links oben das Stammwappen der Grafen von Rieneck, rechts ihr Wappentier: der Schwan. Der Schwan steht für Vornehmheit, hohen Adel und Reinheit. - Elisabeth von Rieneck († 1419), geb. von Castell
Sie war eine von 3 Ehefrauen des Grafen Thomas II. von Rieneck. Sein Grabmal steht auf der rechten Seite des Chores. Die Ehe bleib wohl kinderlos. - Philipp III. von Rieneck († 1559)
– Große, 2,75 m hohe Inschrifttafel. Philipp III. hatte den Lutherischen Glauben in seiner Grafschaft eingeführt. Er starb kinderlos. Daraufhin fiel die Grafschaft als erledigtes Lehen wieder an das Erzstift Mainz zurück. - Margaretha von Rieneck († 1463), geb. von Eppstein und Königstein
– Rotes Sandstein-Grabmal aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. - Margarethe von Erbach († 1574)
– Schwarze Inschrifttafel, die an die Witwe Philipps III. (s.o.) erinnert.
Epitaphien der Grafen von Rieneck, rechte Seite
An der Südseite des Chors ist eine weitere Reihe von Grabmälern:


- Johannes von Rieneck (1363–1401)
– Darstellungen in liturgischer Kleidung mit einem Hund zu seinen Füßen – ein Symbol für Treue und kirchliche Verbundenheit. - Thomas II. von Rieneck (1386–1431)
– Ebenfalls ein figürliches Grabmal. stehender Ritter in voller Rüstung mit Lanze und Schwert. - Graf Reinhart von Rieneck (1497–1518) und seine Gattin Agnes von Rieneck, geb. von Gleichen († 1519)
– Ihre Grabmäler zeigen einen Übergang von gotischen Formen hin zur Renaissance.
Frühneuzeitliches Epitaph
Neben den mittelalterlichen Grabdenkmälern steht ein reich ausgestattetes Alabasterepitaph für Georg Friedrich von Kerpen, der als 10 Wochen alter Säugling im Jahr 1629 starb. In diesem Jahr wurde auch der Epitaph hergestellt.
Im Mittelfeld des Monuments ist eine Pietà-Darstellung angebracht. Die Muttergottes hält den Leichnam Christi. Rechts und links flankiert wird diese Gruppe von zwei Heiligen: Johannes dem Täufer und Katharina von Alexandrien.
Darüber erscheint eine plastische Figur des verstorbenen Kindes – als leicht überlebensgroßes Relief. Diese Darstellung ist nicht naturalistisch-realistisch, sondern betont die kindliche Unschuld. Das Kind nimmt eine Gebetshaltung ein und blickt zum Himmel empor. Daneben stehen allegorische Figuren: Liebe und Glaube.
Das Kind steht auf einem Totenkopf. Das zeigt: es hat den Tod überwunden und ist dem Paradies und dem ewigen Leben nahe.
Insgesamt wird eine Verbindung hergestellt zwischen der Trauer Mariens um ihren Sohn Jesus und der Trauer der Eltern um ihren Sohn Georg Friedrich von Kerpen.
Rechtes Seitenschiff
Die Turm-Eingangshalle
Im Erdgeschoß des Kirchturms hängen 2 Epitaphien. Sie erinnern an Johann Walter von Kerpen, der im Jahr 1622 in Aschaffenburg ermordet wurde und an Margaretha Wentzel, geborene Wolzin.
An der Außenseite
Das Umfeld
Die Karfreitagsprozession
Figuren in der ehemaligen Kapuzinerkirche
Seit über 300 Jahren gibt es diese Prozession, bei der lebensgroße Figuren durch die Stadt getragen werden. Für jede dieser Figuren ist eine Berufsgruppe zuständig. Büttner, Bierbrauer und Gastwirte beispielsweise für das letzte Abendmal oder Bäcker und Einzelhändler für das Heilige Grab. Sie geht auf ein Pestgelübde zurück.
In meiner Sammlung habe ich Bilder von 1975 gefunden. Trotz der technischen Unzulänglichkeiten möchte ich sie hier als Zeitzeugnis präsentieren. Aktuelle und technisch bessere Bilder mitsamt Erläuterungen findet man im Internet.










Funde bei der Kirchenrenovierung 1978
1978 wurde die Kirche umfassend renoviert und eine Fußbodenheizung eingebaut. Dafür musste der vorhandene Boden abgetragen werden. Dabei wurden Grundrissfragmente von Vorgängerbauten und früheren Kirchenerweiterungen gefunden, außerdem verschiedene Grabplatten. Diejenigen, auf denen noch etwas zu erkennen war, wurden in einem Kellerraum des ehemaligen Kapuzinerklosters an einer Wand angebracht.























































