Lohr am Main

Wer als Besucher mit dem Auto nach Lohr kommt, dem sei der große Paktplatz zwischen Main und Fischerviertel empfohlen. Das Parken dort ist sehr preiswert: die ersten 4 Stunden sind frei, ein 24-Stunden-Ticket kostet 2 €.

Mainviertel und Bayersturm

Vom Parkplatz kommt man durch das ehemalige Fischertor direkt zum Meinviertel mit Fischer- und Muschelgasse. Man kann jetzt entweder durch die Fischergasse Richtung Altstadt gehen oder schon vorher dem gut ausgeschilderten Rundweg folgen. Dieser führt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei.

Ich beginne hier mit dem Fischerviertel. Der Bereich steht heute komplett unter Denkmalschutz. Besonders im Sommer ist dies ein idyllischer und top gepflegter Bereich der Stadt Lohr. Das erste Bild zeigt einen Nachbau des Fischertores. Wie alle Stadttore wurde das Original Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen, weil es als Verkehrshindernis betrachtet wurde.

Die beiden letzten Bilder zeigen die ehemalige Steinmühle. Davor der durch Bohlen bedeckte Stadtbach. Durch ein Fenster an der Seite sieht man noch das Mühlrad.

Die Bewohner des Mainviertels sind bekannt für ihren Zusammenhalt. In der Vergangenheit haben sie Feste veranstaltet und von dem Erlös die Treppenanlage in „ihrem“ Bayersturm sanieren lassen oder den Fischerbrunnen finanziert. So kann man – wenn denn Corona vorbei ist – den Turm besteigen (147 Stufen!) und von der Türmerwohnung aus die Aussicht bewundern.

In dem Viertel wohnten nicht nur Fischer, sondern auch Schiffer und Schiffbauer. Die Schiffe wurden auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes gebaut. Allerdings nur Holzschiffe. Als Schiffe aus Eisen modern wurden, starb das Gewerbe aus. Werkzeuge des letzten Schiffbauers sind heute an der Außenwand eines Hauses angebracht.

Der Bayersturm ist benannt nach der Türmerfamilie Bayer, die 200 Jahre lang oben in dem Turm gewohnt hat. Wie die meisten Lohrer Bürger hatten auch die Bayers Haustiere. Ein Stockwerk unterhalb des Wohnbereiches wird noch heute ein Ziegenstall gezeigt.

Die Stadtpfarrkirche und ihr Umfeld

Dazu kommt voraussichtlich noch eine eigene Unterseite. Bis es so weit ist, kann man auf das Bild unten klicken. In einem eigenen Tab erscheint dann ein Bild, in das man sehr tief hineinzoomen kann.

Hauptstraße mit Rathaus und Marktplatz

Das Rathaus wurde um 1600 von dem Lohrer Bauunternehmer Micheal Imkeller erbaut. Es ähnelt sehr stark dem auch von diesem Unternehmer gebauten Rathaus in Rothenfels. Allerdings fehlt in Lohr der beeindruckende Renaissancagiebel. Er musste wegen Baufälligkeit im Jahr 1804 abgerissen werden. Lohr hatte um 1600 ca. 1800 Einwohner. Die haben im Wesentlichen den Bau finanziert, nicht die Landesherren. Durch Schwedeneinfall, Pest und Hexenverbrennungen sank die Einwohnerzahl bis 1639 auf 576.

In der Lohrer Hauptstraße gibt eine Vielzahl sehenswerter mittelalterlicher Fachwerkhäuser. Das erste Bild zeigt das älteste Lohrer Fachwerkhaus. Es besteht aus 2 Doppelhaushälften. Auffällig sind die versetzten Geschoße.

Das Bild unten kann man sich auch ganz groß anschauen. Einfach draufklicken und es erscheint dann in einem neuen Tab. Wenn man genug gesehen hat, kann man den Tab einfach schließen. Man ist dann wieder hier auf dieser Seite.

Ursprünglich musste man bei jedem Haus einige Treppenstufen hochsteigen, um in das Erdgeschoß zu gelangen. Das widerspricht aber der modernen Verkaufspsychologie, die einen nahtlosen und barrierefreien Zugang von der Straße verlangt. Man hat also bei einigen Häusern den Boden tiefergelegt und die Fassade angepasst. Dann stimmen aber die ganzen Proportionen des Hauses nicht mehr. Das letzte Bild zeigt schön den Unterschied.

Mopper und Schnüdel

Vor dem Eingang zum neuen Rathaus steht eine Skulptur des Lohrer Künstlers Roland Schaller: Mopper und Schnüdel. Mopper war eine fette Blutwurst, die in einen Darm abgefüllt wurde. Die beiden Anhängsel, die durch das Abbinden der Wurst entstehen, bezeichnete man als Schnüdel. In alter Tradition werden die eingeborenen Lohrer als Mopper bezeichnet, die zugezogenen als Schnüdel.

Lohrer Gassen

Die Lohrer Bürgerstadt wurde geplant angelegt. In der Mitte die Hauptstraße mit dem Marktplatz und dem Rathaus. Davon im rechten Winkel abgehend die Gassen. Ihr Name sagt, wer dort ansässig war.

Die Keller waren meist von außen zugänglich. Und wie das zweite Bild zeigt, war Bauland schon immer knapp und teuer. In den oberen Stockwerken konnte man zusätzlichen Raum gewinnen, indem man sie vorkragen ließ.

Lohrer Vorstadtstraßen

„Schneewittchenschloss“ mit Spessartmuseum

Ursprünglich lebten die Grafen von Rieneck in einer Burg neben der heutigen Stadtpfarrkirche. Die Burg bot auf Dauer jedoch zu wenig Platz und Komfort. Es wurde dann in mehreren Abschnitten das heutige Schloss gebaut. Es war immer noch wehrhaft: Auf der Rückseite wurde es durch einen steil abfallenden Hang geschützt. Auf der der Stadt zugewandten Seite gab es einen Graben mit Zugbrücke. Auf dem Grundstück der alten Burg entstand später ein Kapuzinerkloster.

Jetzt müssen alle ganz tapfer sein, die an das Lohrer Schneewitchen glauben: Es ist fake, frei erfunden! Von einem Apotheker und seinen Freunden in weinseliger Runde. Es wurde aber gut erfunden, denn heute glauben fast alle daran. Sogar an der Autobahn gibt es ein Hinweisschild auf die Schneewittchenstadt Lohr. Die vor dem Schloss aufgestellten Figuren ziehen die Geschichte allerdings wieder auf das Märchen zurück: Das Schneewittchen erinnert eher an eine Kindergärtnerin, die mit ihrer Gruppe von Vorschulkindern einen Ausflug macht. Nicht an eine junge Frau, die zusammen mit hart arbeitenden kleinwüchsigen Bergleuten lebt.

Einen zusätzlichen Marketing-Coup haben die Lohrer gelandet, als sie für sehr teures Geld eine – in den Augen aller Normalos – potthässliche und sündhaft teure Schneewittchenfigur vor der neuen Stadthalle aufstellen ließen. In aller Welt wurde damals über Lohr und sein Horrorwitchen berichtet.

Die alte Stadtmauer

Rund um die Altstadt kann man immer wieder Teile der alten Stadtmauer finden. Die Transportflieger des 2. Weltkrieges habe hier ihr Ehrenmal und auch der von den Deutschen getöteten Junden wird gedacht.

Noch einen weitgehend unbekannten Gedenkort gibt es in Lohr: die Preßnitzer Heimatstube. Aus Preßnitz (Erzgebirgt) wurden nach dem 2. Weltkrieg viele Menschen vertrieben. Einmal im Jahr gedenken die Überlebenden der alten Heimal, die heute in einem Stausee verschwunden ist.

Industriestandort Lohr

Trotz aller Idylle: Lohr ist auch ein wichtiger Industriestandort. Das stadtnah gelegene Werk von Bosch Rexroth bietet derzeit ca. 5.400 Arbeitsplätze. Derzeit (2022) stehen Investitionen von über 100 Mio. € an. Seinen Ursprung hat es in den Eisenhämmern im Elsavatal. Die damaligen Betreiber sind in einem idyllischen Priatfriedhof oberhalb des Höllhammers begraben.

Ausflüge in die Umgebung

Bilder und Beschreibungen von Mariabuchen, der Klapper und der Valentinuskapelle sind auf einer eigenen Seite zu finden.

Auf einer Sonderseite: Kirchplatz und Stadtpfarrkirche St. Michael, Karfreitagsprozession