Das Elsava-Tal im Spessart

Das Elsava-Tal im Spessart

Allgemeines zur Elsava

Ungefähr 25 km fließt die Elsava von der Quelle bis zur Mündung bei Elsenfeld am Main. Das Tal ist dicht besiedelt. Es gibt nur wenige natürlich anmutende Bereiche, z. B zwischen Heimbuchenthal und dem Neuhammer. Eine Besonderheit: es gibt im Tal selber bzw. in Nebentälern 3 Wasserschlösser: Schloss Mespelbrunn ist das bekannteste. Schloss Oberaulenbach liegt ebenfalls in einem Seitental. Und schließlich das Wasserschloss in Sommerau. Lediglich Mespelbrunn ist für Besucher geöffnet. Schloss Oberaulenbach kann man wenigstens von außen sehen und das Schloss in Sommerau ist öffentlich nicht zugänglich.

Mitte des 19. Jahrhunderts lagen in dem Tal 3 der bedeutendsten Industriebetriebe im Spessart: die Eisenhämmer Höllhammer, Neuhammer und der Hobbacher Hammer. Außerdem spielte die Elsava eine wichtige Rolle als Triftbach: Holz wurde aus dem Hochspessart in das Maintal befördert.

Folgen Sie mir auf einer Fahrt durch das Elsavatal von der Quelle bei Hessenthal bis zur Mündung in den Main bei Elsenfeld. Über 100 Bilder zeigen Ihnen, was Sie bei dieser Fahrt sehen und erleben

können.

Die Elsava-Quelle im Spessart

Etwa 1.5 km außerhalb von Hessenthal liegt eine recht ergiebige Quelle. Ihr Name ist Spring oder Springbrunnen. Ein Stein daneben bezeichnet sie als Elsava-Quelle. Aber der Bach, der von der Quelle bis zu dem Ort Hessenthal fließt, heißt offiziell Kaltenbach. Erst ab Hessenthal heißt das Gewässer dann Elsava.

Hessenthal im Elsavatal

Hessenthal ist das erste (von der Quelle aus gesehen) einer ganzen Reihe von Straßendörfern, die sich die Elsava entlangziehen. Genau genommen ist es kein selbständiger Ort mehr, sondern ein Ortsteil von Mespelbrunn. Beide grenzen nahtlos aneinander an. Auf dem Bild unten sieht man im Hintergrund den Kirchhügel.

Auf dem hessenthaler Kirchhügel stehen heute 3 Kirchen: die kleine Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild im Vordergrund, dann die alte Wallfahrtskirche mit dem Echter-Epitaph und schließlich ein Neubau aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, ebenfalls mit bedeutenden Kunstwerken. Die Kirchen waren ursprünglich mit einem Mauerring umgeben. Dieser diente dem Schutz des Kirchenvermögens und wahrscheinlich auch zur Verteidigung der Bevölkerung .

Mespelbrunn im Spessart

Der Ort Mespelbrunn zieht sich einige km durch das Elsavatal. Bekannt ist er ausschließlich durch das Wasserschloss, das in einem Seitental der Elsava liegt. 1958 wurde es durch den Film „Das Wirtshaus im Spessart“ weltberühmt und zehrt von diesem Ruhm noch heute. Auch das Andenken an die edlen Spessarträuber wurde durch diesen Film nachhaltig gestärkt. Die Region wird heute als „Räuberland im Herz des Spessart“ vermarktet und Touristen können eine Kutschfahrt mit Räuberüberfall buchen.

Die Frontansicht des Schlosses ist ein totfotografiertes Motiv.

Von der Rückseite findet man dagegen kaum Bilder im Internet:

Weithin sichtbar über der Elsava liegt die Basilika Maria Schnee. Basilika beschreibt hier den Baustil, nicht die kirchenrechtliche Bedeutung. In der Gruft unter der Basilika Maria Schnee werden auch heute noch die Mitglieder der Familie von Ingelheim beigesetzt (Schlossherren des nahe gelegenen Wasserschlosses). Im Hintergrund der Ort Mespelbrunn, ein langgezogenes  Straßendorf.

Heimbuchenthal im Elsavatal

Wie die beiden anderen Orte im oberen Elsavatal ist auch Heimbuchenthal ein langgezogenes Straßendorf.

Fremdenverkehr spielte im oberen Elsavatal schon immer eine Rolle. Zuerst in Hessenthal, basierend auf der Wallfahrt zu der wundertätigen Marienstatue. Dann Mespelbrunn mit seinem Wasserschloss. 1910 bekam Heimbuchenthal einen Eisenbahnanschluss und wurde in der Folgezeit nach Heigenbrücken zum zweiterfolgreichsten Fremdenverkehrsort im Spessart.

Auch heute versucht der Ort, Gästen und Einheimischen etwas zu bieten. Wer von einem Ortsende zum anderen laufen will, findet im Tal einen Wiesenweg. Dort steht auch eine ausrangierte Lock als Andenken an die Zeit, als Heimbuchenthal noch per Zug erreichbar war. Daneben weitere Annehmlichkeiten wie Kurparksee, Spielplatz, Musikpavillon und ein Museum mit alten bzw. kuriosen Fahrrädern.

Am natürlichsten wirkt das obere Elsavatal zwischen Heimbuchenthal und dem Höllhammer. Aber naturbelassen ist es natürlich auch nicht. Die Wiesen sind auf den Menschen zurückzuführen, genauso wie Naturschutz-Tümpel oder der Teich, der ursprünglich den Wasserzufluss zum Höllhammer regulieren sollte. Auf dem letzten Bild ist im Hintergrund der Höllhammer zu erkennen.

Überall sind noch alte Mauern und Wehre.

Eisenhämmer im Elsavatal

Mitte des 19. Jahrhunderts lagen bei der Einmündung des Dammbachs in die Elsava nahe beieinander 3 der bedeutendsten Industriebetriebe im Spessart: die Eisenhämmer Höllhammer, Neuhammer und der Hobbacher Hammer.

Höllhammer und Rexrothfriedhof

Um 1700 wurde der Eisenhammer gegründet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich zu einem sehr erfolgreichen Unternehmen. Ca. 100 Menschen lebten hier. Auch Kinder, die in der unternehmenseigenen Schule unterrichtet wurden. Eigentümer war die Familie Rexroth, die den Betrieb Ende des 19. Jahrhunderts nach Lohr verlagerten. Heute ist das Areal wieder ein Hofgut.

Oberhalb des Höllhammer liegt der Rexrothfriedhof. Er ist rund, von einem Mauen und einem Kranz alter Eichen ungeben. Grabkreuze und Mausoleum sind aus Eisen gefertigt und wurden selbstverständlich im Höllhammer hergestellt. Er ist einer der ganz wenigen Privatfriedhöfe in Deutschland, die heute noch belegt werden dürfen.

Der Neuhammer im Elsavatal

Beim Neuhammer mündet der Dammbach als wasserreichster Nebenfluss in die Elsava.

Als Eisenhammer wurde der Neuhammer vom Eigentümer des Höllhammers – Georg Ludwig Rexroth I – gegründet. Vorteil der Lage war, dass von 2 Flüssen Wasser auf die Wasserräder geleitet werden konnte. Später wurde das Anwesen als Brauerei und Gaststätte genutzt, dann als Schnitzschule und später als Sägewerk. Auch letzteres wurde inzwischen aufgegeben.

Hobbacher Hammer, heute Landschulheim

Auch der Hobbacher Hammer musste Ende des 19. Jahrhunderts aufgeben und erlebte dann mehrere verschiedenartige Nutzungen: Zuerst wurde er zu einer Kurpension, der Villa Elsava, die sogar mit der Eisenbahn erreichbar war. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gebäude als Flüchtlingsunterkunft genutzt, dann als Aschaffenburger Kreisaltersheim. Heute ist hier ein Schullandheim untergebracht mit dem Schwerpunkt Umwelterziehung.

Wasserschloss Oberaulenbach

Ähnlich wie das Wasserschloss Mespelbrunn liegt auch Oberaulenbach nicht direkt an der Elsava, sondern in einem Seitental. Das Schloss wird privat genutzt und kann innen nicht besichtigt werden. Zum Schloss gehört eine Land- und Forstwirtschaft mit eigenen Gebäuden.

Am Schloss Oberaulenbach gibt es 3 große Wildgatter für Rotwild. Wenn man Glück hat, kann man Tiere in einer sehr natürlichen Umgebung beobachten. Es kann aber auch passieren, dass man praktisch kein Wild zu Gesicht bekommt.

Oberhalb von Schloss Oberaulenbach ist noch eine Wolfsgrube erhalten. Eine Wolfsgrube war so tief, dass der Wolf nicht herausspringen konnte und sie hatte glatte, gemauerte Wände. Unten lag entweder vergammeltes Fleisch oder es wurde ein Lamm oder eine Ziege angebunden. Für die Tarnung gab es verschiedene Techniken. Wichtig war, dass der Wolf in die Grube fällt. Dort wurde er dann erschlagen oder erschossen.

Sommerau

Die beiden Orte Sommerau und Eschau sind heute zu einem Ort zusammengewachsen. . Sie haben aber eine sehr unterschiedliche Geschichte mit dem Ergebnis, dass der Ortsteil Sommerau überwiegend katholisch, Eschau dagegen überwiegend evangelisch ist. Als Spessartdom wird die wuchtige Kirche aus dem Jahr 1920 mit ihrer assymetrischen Fassade oft bezeichnet.

Hinter der neuen steht die alte denkmalgeschützte Laurentiuskirche. Sie verfällt allmählich. „Eigentum verpflichtet“ steht im Grundgesetz. Aber was soll´s. Ich mag den Charme von verfallendem Gemäuer. Wahrscheinlich spielt da auch das eigene Alter eine Rolle.

Eschau

Kurz vor den Corona-Sperren konnte im Januar 2020 das275-jährige Kirchweihjubiläum der Epiphaniaskirche gefeiert werden. Auffällig die große Kanzel hinter dem Altar und die beiden übereinanderliegenden Emporen.

Aus dem Jahr 1690 stammt das alte Rathaus. Davor der Schwedenbrunnen mit dem Elch.

Kloster Himmelthal im Elsavatal

Das ehemalige (Jesuiten-) Kloster beherbergt heute 2 Einrichtungen mit Internat, die Jungendliche mit besonderen Problemen unterstützen.

Rück-Schippach im Spessart

Weinort Rück im Elsavatal

Weinbau gab es in Rück wie in vielen anderen Spessartorten seit dem Mittelalter. Während andernorts die Weinberge verfielen, wurde in Rück 1972 eine große Flurbereinigung durchgeführt und die Weinberge neu angelegt. So ist Rück heute der einzige Weinort im Spessart abseits des Maintales.

2 Barockkirchen in unmittelbarer Nachbarschaft

Innerhalb weniger Jahre entstanden um 1750 in den beiden benachbarten Dörfern Rück und Schippach 2 Barockkirchen. Für die damals wenigen und wohl auch eher armen Bewohner war das eine immense Leistung. Eine weitere wurde gleichzeitig im nahegelegenen Kloster Himmelthal gebaut.

Bild oben und rechts oben die Johanneskirche in Rück, darunter die Antoniuskirche in Schippach. Mehr Bilder und Informationen dazu auf der Unterseite Rück-Schippach.

Die Piuskirche in Schippach

Oberhalb von Schippach steht eine für das Spessartdorf völlig überdimensionierte Kirche. Was es mit ihr auf sich hat, erfahren Sie in einem eigenen Beitrag.