Heigenbrücken im Spessart


Heigenbrücken entdecken

Vor 60 Jahren war Heigenbrücken der führende Erholungsort im Spessart. Auch heute kann der Ort seinen Besuchern außergewöhnlich viel bieten:

  • Aus dem ehemals ersten Schwimmbad im Spessart ist heute ein wunderschönes Naturbad entstanden. Das Wasser wird ohne Chlor biologisch gereinigt, allerdings auch nur durch die Sonne beheizt.
  • Für Familien mit Kindern gibt es ein großes Freizeitgelände mit Wildpark, Spielplatz und Klettergarten.
  • Heigenbrücken ist ein Biber-Hotspot. Nirgendwo kann man auf so engem Raum so viele unterschiedliche Biber-Reviere kennenlernen.
  • Im Ortsteil Jakobsthal liegt das größte Skigebiet des Spessarts mit Schlepplift.
  • Eisenbahnfreunde finden mit dem aufgelassenen Bahnhof, dem verschlossenen Schwarzkopftunnel und der Neubaustrecke viel für sie Interessantes.
  • Für Wanderer bietet die waldreiche Umgebung viele ausgeschilderte Routen. Wer Steigungen vermeiden möchte kann entlang des Lohrbaches die Nachbarorte Jakobsthal, Heinrichsthal oder Neuhütten ansteuern. Unterwegs kann er auch wieder die Tätigkeit der Biber bewundern und die Talwiesen stehen durchweg unter Naturschutz (NSG Spessartwiesen)

Biber in Heigenbrücken

In und um Heigenbrücken gibt es mehrere Biberreviere. Der Biber hat sogar einen Teil des Kurparks unter Wasser gesetzt. Besonders im Winter kann man den großen Biber-Damm gut erkennen. Und man sieht deutlich, wie hoch das Wasser aufgestaut wurde. Damit es nicht zu hoch wird, kommt regelmäßig der örtliche Bauhof (mit Genehmigung der Naturschutzbehörde) und baut den Damm etwas zurück.

An einer anderen Stelle hat der unter Naturschutz stehende Biber im Naturschutzgebiet seinen Damm gebaut. Eigentlich eine win-win-Situation. Aber: Dort wachsen auch Bäume und wenn diese längere Zeit im Wasser bzw. in durchweichtem Boden stehen, drohen sie umzustürzen und sie sterben ab. Dabei entsteht eine neue vielfältige Naturlandschaft. Trockene Stellen oben auf den  Wurzelballen und tiefere Wasserlöcher unmittelbar daneben. Eigentlich ideal für ein Naturschutzgebiet.

In Heigenbrücken hatte man die nicht ganz unberechtigte Angst, dass durch solche umstürzenden Bäume eine verbeiführende Stromleitung beschädigt werden könnte. Man beantragte und bekam die Genehmigung, ca 20 Bäume zu fällen. Schnell machte man sich ans Werk.

Die (deutlich mehr als 20) umgesägten Stämme liegen nun im Sumpf und stören die Anwohner. Das Entfernen stellte sich als schwierig bis unmöglich heraus. Und die auf zwei Jahre befristete Genehmigung zum Entfernen der Stämme ist inzwischen auch abgelaufen und wird von der Regierung auch nicht mehr erneuert. Also bleiben die Stämme liegen.

Heigenbrücken im Glashüttenspessart

Heigenbrücken liegt im sogenannten Glashüttenspessart. Das ist ein Bereich im Nordosten des Spessart, in dem die Ortschaften auf mittelalterliche Glashütten zurückgehen. Allerdings war es nicht eine Glashütte, die über lange Zeit in diesen Orten arbeitete. Vielmehr wurden damals die Glashütten nach einigen Jahren immer wieder verlegt, wenn in ihrer Umgebung die Holzvorräte aufgebraucht waren. So hat es auch um Heigenbrücken mehrere Standorte gegeben, die nacheinander in Betrieb waren. Die Hütteneigentümer und ihre Mitarbeiter wohnten dann in einem Dorf in der Nähe, hier also Heigenbrücken.

Glashütten waren im Mittelalter kapitalintensive und umsatzstarke Betriebe mit gut bezahlten Facharbeitern. Glaswaren waren gesucht und wurden für gutes Geld bis in die Niederlande verkauft. Heigenbrücken war damals kein armer Ort.

Nachdem die Landesherrschaft eigene Glashütten (Lohr, Rechtenbach, Einsiedel ..) betrieb, verbot sie private Glashütten im Spessart. Für Heigenbrücken brachen schwere Zeiten an. 150 Jahre lang herrschte die bekannte „Not im Spessart“.

Heigenbrücken und die Eisenbahn

Mitte des 19. Jhds wurde die Ludwigs-West-Bahn gebaut und führte unmittelbar an dem Dorf Heigenbrücken vorbei. Genau vor dem Bahnhof endete der Schwarzkopftunnel. Er bildete den Scheitelpunkt der Bahnstrecke. Schwere Güterzüge benötigten aus Richtung Aschaffenburg kommend eine Schiebelock. Diese Locks waren in Heigenbrücken stationiert.

Das war für den Ort wie ein Sechser im Lotto. Auf einmal gab es wieder Arbeitsmöglichkeiten: Zuerst beim Bau der Bahn und des Tunnels. Dann beim Betrieb. Außerdem konnte Holz und behauene Steine mit der Eisenbahn abtransportiert werden.

Die Aktivitäten waren so bedeutend, dass schon 1890 ein neues, größeres Bahnhofsgebäude errichtet wurde. Schließlich war auch das Pendeln nach Aschaffenburg, Lohr oder sogar Frankfurt möglich.

Außerdem kamen mit der Eisenbahn die Urlauber. Heigenbrücken wurde zum führenden Erholungsort im Spessart mit dem Prädikat Luftkurort. In den 1960er Jahren sollen ganze Sonderzüge mit Sommerfrischlern aus dem Ruhrgebiet gekommen sein.

Heigenbrücken heute

Inzwischen wurde die Bahnstrecke neu gebaut. Es gibt jetzt keinen Bahnhof mehr, sondern nur noch einen Bahnhalt. Die Steinbrüche sind geschlossen und Holz wird gleich aus dem Wald mit LKW abtransportiert. Die Gedenktafel (Bilder unten) hängt an einem massiven Gesteinsbrocken. Dieser stammt aus dem neu gebauten Falkenberg-Tunnel. Es handelt sich um das Gestein, das nach Expertenmeinung für ein Atommüll-Endlager geeignet wäre.

Das weitläufige Bahnhofsgelände ist inzwischen stillgelegt und an die Gemeinde Heigenbrücken verkauft.

Der Schwarzkopftunnel ist verfüllt und verschlossen. Die Öffnungen sollen Fledermäusen den Zugang zu ihrem Winterquartier ermöglichen. Nach wie vor bewacht ein Löwenkopf den Eingang.

Die Natur beginnt sich den Tunneleingang zurückzuerobern. Die Flechten zeugen von einer hohen Luftqualität

Die Bezeichnung Luftkurort gibt es für Heigenbrücken nicht mehr. Auch mit dem Gastgewerbe ging es bergab: die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt nur noch 2,5 Tage statt früher 2 Wochen. Und wie überall können sich die kleinen Bäcker-, Metzger- oder Lebensläden nicht mehr halten. Sie stehen leer.

Trotzdem hat Heigenbrücken auch heute noch mehr Gasthäuser als vergleichbar große andere Orte.

Jakobsthal

Jakobsthal ist ein Ortsteil von Heigenbrücken. Genauso wie Heigenbrücken geht Jakobsthal auf eine Glashütte zurück. Gründer und Betreiber war Jakob Fleckenstein. Im Jahr 1676 bat er den Landesherren, den Mainzer Erzbischof, um Land für sich, seine Kinder und seine „53 Enckelein“. Sein Bruder Heinrich Fleckenstein ist auf dieselbe Weise für Heinrichsthal verantwortlich. Eigentlich war es um diese Zeit verboten, im Mainzer Spessart neue Dörfer zu gründen. Aber es ging wohl doch.

Keine 50 Jahre später wurden im Spessart private Glashütten verboten. Jakobsthal bekam die gleichen Probleme wie Heigenbrücken.

Die Jakobsthaler Mühle

Am unteren Ortsausgang von Jakobsthal liegt die Jakobsthaler Mühle (Fleckenstein-Mühle). Das Inventar soll noch komplett vorhanden sein. Die Frage ist: wie kann solch ein Kulturdenkmal dauerhaft erhalten werden.

Skigebiet bei Jakobsthal

Zwischen Engländer und Jakobsthal liegt das größte Skigebiet des Spessart. Am Wochenende ist bei guten Bedingungen wohl mehr los; unter der Woche laufen die Lifte erst ab 14 Uhr.