Burgen im und am Spessart


Im und am Spessart gab es einst über 100 Burgen. Teils nur befestigte Häuser mit einem Mauerring oder einem Graben wie das Templerhaus in Amorbach. Von denen ist heute i.d.R. nichts mehr zu sehen.

Teils waren es aber auch – besonders im südlichen Mainviereck – imposante Anlagen. Sie beeindrucken die Besucher auch heute noch als Burgruinen (z. B. Freudenburg, Burg Wertheim, Henneburg). Noch vollständig erhaltene und bewohnte Burgen gibt es im und am Spessart nicht.

Was macht den Reiz solcher Burgruinen für so viele Menschen aus?

  • Unterhalb der Burg liegt meist eine kleine mittelalterliche Stadt. Der Besucher kann also auf einmal 2 Sehenswürdigkeiten entdecken: die Stadt und ihre Burg. Getrennt werden beide durch einen kurzen Fußweg.
  • Es gibt i.d.R. keine Barrieren wie Eintrittsgelder oder in Coronazeiten 2g-Beschränkungen. Man kann sie jederzeit besuchen.
  • Im Mittelalter lebten auf den Burgen die Ritter. Von denen haben auch solche Menschen eine Vorstellung, die sich sonst nicht für Geschichte interessieren.
  • Sie bieten meist einen weiten Ausblick in die Landschaft.

Gemeinsam ist den Burgen im südlichen Spessart, dass ihr Anfänge im 12. Jhd. liegen. Irgendwann im 16. / 17. Jahrhundert verloren die Burgen ihre Bedeutung. Oft waren sie schon in einer kriegerischen Auseinandersetzung beschädigt worden. Sie verfielen und wurden als Steinbruch genutzt. Heute werden sie wieder geschätzt und aufwändig in Stand gehalten.

Burg Collenberg / Kollenburg am Südrand des Spessarts.

Die Kollenburg (auch Collenburg) liegt am Südrand des Spessart über dem Main. Erbaut und immer wieder erweitert wurde die Burg vom 12. bis zum 17. Jahrhundert. Danach verfiel sie.

Warum ist diese Burg hier an erster Stelle? Zum einen handelt es sich immer noch um eine beeindruckende Anlage. Sie wurde vor einigen Jahren aufwändig instandgesetzt und befindet sich daher in einem sehr gepflegten Zustand. Und sie ist nur zu Fuß erreichbar, am einfachsten von einem kleinen Parkplatz an der Straße Collenberg – Dorfprozelten aus. In der Regel ist der Besucher dort alleine.

Die Gewölbe sind jederzeit frei zugänglich.

Burg Klingenberg / Klingenburg

Das genaue Gegenteil ist die Klingenburg. Sie liegt am westlichen Rand des Spessarts inmitten von Weinbergen. Sie ist für den Tourismus ausgebaut mit einer schönen Terrasse und einer mittelgroßen Gaststätte. Selbst Omnibusse können praktisch vor der Türe parken. Und nach dem Essen können sich die Besucher auf einem geteerten und ebenen Weg durch die Weinberge die Füße vertreten. Bis vor wenigen Jahren gab es jedes Jahr 8 Wochen lang die Klingenburg-Festspiele. Die Organisatoren erkannten noch vor Corona eine drohende Zahlungsunfähigkeit und haben die Spiele eingestellt. Inzwischen wurden die Festspiele in kleinerem Rahmen wieder aufgenommen.

Alte Mauerreste sind vorhanden, aber nicht zugänglich.

Burg Freudenberg / Freudenburg am Südrand des Spessarts

Auffälliges Merkmal ist der 3-stufige Bergfried, ein sogenannter Butterfassturm. Der vorgebaute Kanonenturm wird auch Hexenturm genannt, weil in ihm zu Zeiten der Hexenverfolgung die mutmaßlichen Hexen eingesperrt waren. Über 150 Frauen hat man in Freudenberg als Hexen erkannt und dann standesgemäß verbrannt.

Auch auf der Freudenburg werden Burgfestspiele abgehalten, allerdings nur alle 2 Jahre.

Burg Wertheim

Die Burg Wertheim ist unter den hier vorgestellten Burgen die größte und – so sehen es zumindest die Wertheimer – auch die schönste. Die 2 € Eintritt sind auf jeden Fall gut angelegt. Viele Veranstaltungen finden in normalen Zeiten auf der Burg statt: von Whisky- und Weinproben bis hin zu Rockkonzerten. Die Burg ist von der Wertheimer Altstadt auf einem Fußweg gut zu erreichen.

Wer sich für Details interessiert, kann für den Besuch der weiträumigen Anlage gut eine Stunde einplanen. Und anschließend kann er sich in der Burggaststätte stärken.

Die Henneburg am Südrand des Spessarts

Die Henneburg ist, was Größe und Erhaltungszustand angeht, durchaus mit der Wertheimer Burg vergleichbar. Sie wurde in den letzten Jahren aufwändig saniert. Teile des Innenbereiches sind immer noch nicht zugänglich (Stand Dezember 2021). Auch die Türme können nicht bestiegen werden.

Das heutige Aussehen der Burg wurde vom Deutschen Orden geprägt. Irgendwann wurde sie dann nicht mehr gebraucht und ist zerfallen. Wenn die Restaurierungsarbeiten beendet sind, ist sie auf jeden Fall eine dicke Empfehlung wert: zumindest einer der Türme ist immer offen und kann bestiegen werden. Und eine Gastronomie sollte es auch wieder geben. Die Stadt Stadtprozelten hat an der Henneburg wohl kein großes Interesse. Sie schreibt auf ihrer Webseite (Stand 21. 10. 2021): „Die Türme werden aktuell vom Freistaat Bayern saniert, genaue Informationen liegen uns nicht vor.“

Burg Wildenstein im Spessart

Burg Wildenstein ist die einzige der hier vorgestellten Burgen, die innerhalb des Spessart liegt: etwas versteckt im Wald oberhalb des gleichnamigen Ortes. Sie wurde nicht erobert und zerstört, sondern sie verfiel seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Heute kümmern sich die Burgfreunde Wildenstein um den Erhalt der Burg.

Rieneck und Rothenfels

Beide Burgen sind als Jugendherbergen und Tagungsstätten ausgebaut und bieten ein Programm, das eher christlich geprägt ist. Auch Familien werden aufgenommen, wenn Platz ist.

Rothenfels:

Schönrain bei Gemünden

Schönrain ist keine Burgruine. Es war langezeit ein Kloster und wurde im Bauernkrieg 1525 teilweise zerstört. Graf Phillip III. von Rieneck ließ es als Schloss aufwändig wieder aufbauen. Es was dann 15 Jahre lang Witwensitz der letzten Rienecker Gräfin. Danach war das Schloss Amtssitz und königlich bayerisches Forstamt. 1818 wurde das Forstamt nach Massenbuch verlagert und alles Brauchbare wurde weggeschafft, einschließlich dem Dachstuhl. Seitdem ist es eine Ruine.

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