Der Sinngrund

Der Sinngrund im Osten des Spessart

Der Sinngrund bildet im Osten die Grenze zwischen Spessart und (Vor-) Rhön. Unerwartet viel Interessantes gibt es hier zu sehen und zu berichten. Der Sinngrund ist eindeutig ein Geheimtip.

Einige große, gut erhaltene Burgen warten auf Besucher. Die Gemeinde Burgsinn führte den längsten Rechtsstreit in Deutschland. Er dauerte gut 300 Jahre und das Verhältnis der Streitparteien ist heute immer noch zerrüttet. Und in einem Wallfahrtsort versuchte man, einen ganz besonderen Service zu bieten. Für den Autoverkehr ist der Sinngrund unbedeutend, dagegen umso mehr für die Bahn, die hier 2 doppelspurige Strecken betreibt.

Ganz im nordwestlichen Eck des Spessarts – im Grenzgebiet zur Rhön – liegen 2 sehenswerte Burgen:

Burg Brandenstein

Genau genommen ist Burg Brandenstein keine Burg, sondern ein Schloss. Es stand hier zwar mal eine Burg. Sie wurde aber im 16. Jhd. in ein Rennaissance-Schloss umgebaut. In den folgenden Jahrhunderten wurde immer wieder angebaut und verbessert. Noch heute leben hier die Eigentümer, die Grafen von Brandenstein-Zeppelin und kümmern sich um ihre Burg.

Da die Eigentümer selbst ihr Zuhause als Burg bezeichnen, bleibe ich hier bei dieser Bezeichnung. In der Burg gibt es 2 Museen. Zum einen im ehemaligen Pferdestall ein Holzgerätemuseum, in dem fast 800 alte hölzerne Gegenstände gesammelt wurden – Rechen, Butterfässer, eine Mehlsackausklopfmaschine und noch vieles mehr. Das zweite Museum ist dem Japan-Forscher Philipp Franz von Siebold gewidmet, einem Verwandten der heutigen Burgherrschaft. Beide Museen sind nicht ohne Weiteres zugänglich.

Ein Burgvogt hält das gesamte Anwesen liebe- und phantasievoll in Ordnung. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Weitere Informationen bietet die Homepage von Burg Brandenstein.

Burg Schwarzenfels

Ihren Namen hat die Burg von dem schwarzen Basalt, aus dem der Burgberg besteht. Schon von weitem bietet sie einen imposanten Anblick.

Am auffälligsten ist das große gelbe Gebäude aus dem 16. Jhd.. Es dient heute u.a. als Jugendgästehaus. Den alten Bergfried kann man besteigen, wenn denn die Zugangstüre geöffnet ist.

im 15. Jhd. wurde das Schwarzpulver (= Schießpulver) entdeckt. Damit konnten auch meterdicke Mauern durch mehrmaligen Beschuss zerstört werden. Die Burg war als Verteidigungsanlage nicht mehr geeignet. So wurde sie zu einem Wohnschloss umgebaut. Davon zeugen Eingangstor und Brunnen.

Heute ist die Burg aufwändig saniert. Man sieht, dass die Mauern mit Blei abgedeckt wurden. Im Gegensatz z.B. zu der ebenfalls aufwändig sanierten Henneburg, wo man auf die Mauern eine Betonschicht aufgebracht hat.
Selbst in den Ferien hat das Burgcafe nur am Wochenende geöffnet.

Folgt man von hier aus der Schmalen Sinn, kommt man nach Altengronau. Dort mündet die Schmale Sinn in die Breite Sinn. Ab da heißt der entstandene Fluss dann Sinn.

Altengronau

Altengronau ist einer von 12 Ortsteilen der Gemeinde Sinntal mit Sitz in Sterbfritz. Auf den Bildern unten sieht man die 3 Wahrzeichen der Gemeinde: Die Huttenburg (in der die namensgebende Adelsfamilie noch heute wohnt), die evangelische Christi-Himmelfahrt-Kirche und die alte Sinnbrücke.

Der jüdische Bezirksfriedhof ist einer der größten und stimmungsvollsten in ganz Unterfranken. Er ist unter der Woche nicht abgeschlossen und kann besucht werden. Am Sabbat (Samstag) darf nach jüdischem Glauben niemand den Friedhof betreten.

Neben der Huttenburg (s.o.) gab es in Altengronau noch ein großes, mit Wassergräben umgebenes Schloss. Von dem ist heute nichts mehr vorhanden. Lediglich ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude steht noch, allerdings in sehr marodem Zustand. In dem gleichen Zustand ist das ehemalige Marmorwerk, in dem früher Natursteinplatten hergestellt wurden. Es befindet sich dort, wo früher das Wasserschloss war.

Im Sinngrund gibt es zwischen Altengronau und Obersinn das größte zusammenhängende Vorkommen der seltenen Schachblume.

Mittelsinn

In Mittelsinn fällt die Kirche mit ihrer hohen Turmspitze auf. Sie entspricht dem klassischen Bild einer Wehrkirche: Der Kirchturm geht auf einen ehemaligen Wehrturm zurück. Innen befindet sich die Apsis. Um die Kirche herum ist eine Mauer.
Die Straße von Mittelsinn nach Aura ist einspurig mit breit aufgeschütteten Banketten. Es gilt durchgängig Tempo 30. Für jeden Autofahrer ein Erlebnis.

Aura im Sinngrund

Wie in Burgsinn gibt es auch hier ein Fronhofener Schlösschen. Es wurde von Anfang an als Verwaltungsgebäude errichtet, ist also eigentlich weder ein Schloss noch ein Schlösschen. Heute beherbergt es die Grundschule. Über dem Eingang befindet sich das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths (1652-1719).

Mit erheblichen finanziellen Mitteln aus deversen staatlichen Töpfen wurde der Dorfplatz und der bombastische Aufgang zur alten Erasmus-Kapelle finanziell gefördert. Daher sollte die Öffentlichkeit aber auch Zugang zu der Kapelle und den mittelalterlichen Fresken im Inneren haben. Woanders geht das auch.

Rengersbrunn

Die Wallfahrtskirche von Rengersbrunn steht neben einer natürlichen Quelle. Hier soll Kaiser Friedrich Barbarossa bei seinen Jagten im Spessart mehrmals Rast gemacht haben. Schließlich wiederholte sich, was auch bei den anderen Wallfahrtsorten im Spessart die Gründungslegende war: In einem Busch neben der Quelle wurde von einem Schäfer eine hölzerne Marienfigur gefunden, die von Anfang an Wunder bewirken konnte. Und wie es damals so war: es wurde erst eine hölzerne Kapelle und später eine Kirche gebaut. Auch ein Ablass wurde den Pilgern vom Papst gewährt.

Aber man wollte hier noch ein Alleinstellungsmerkmal und einen Zusatznutzen für die Pilger. Dafür musste die Quelle herhalten: Sie wurde gefasst und der Brunnen aufwändig mit einem Marienbild verziert. Zwei Brunnenröhren kommen aus den Brüsten von Maria. Maria lactans (milchgebende Maria) werden solche Darstellungen genannt. Selbstverständlich galt auch dieses Wasser als heilkräftig: Die Pilger konnten es sich abfüllen und mit nach Hause nehmen. Im Mittelalter konnte man sich vieles vorstellen, auch dass die Milch der Gottesmutter Maria auf Erden Segen stiften kann. Noch heute benutzen wir den Namen Liebfrauenmilch für einen lieblichen (=süßen) Weißwein.

Es nützte aber alles nichts. Andere Wallfahrtsorte (z.B. Hessenthal) waren ökonomisch wesentlich erfolgreicher.

Burgsinn

Burgsinn hat den zweitgrößten Gemeindewald in Bayern, 3 Schlösser und es hat den längsten Prozess der deutschen Rechtsgeschichte geführt und gewonnen.

Rieneck

Rieneck war im Mittelalter der Hauptort im Sinngrund. Allerdings verlegten die Grafen von Rieneck ihren Hauptsitz nach dem verkehrsgünstiger gelegenen Lohr. Trotzdem: Rieneck ist ein sehr sehenswerter Ort mit einer langen Geschichte.

Durch die Engstellen quälte sich bis vor wenigen Jahren der Verkehr. Heute gibt es eine Umgehungsstraße.

Auffälligstes Gebäude ist natürlich die Burg mit ihren 2 mächtigen Bergfrieden. Sie dient heute als Jugendherberge.

Gemünden

In Gemünden mündet die Sinn – nein, nicht in den Main, sondern in die Saale. Und 500 m weiter mündet dann die Saale in den Main.

Verkehr im Sinngrund

Für den Straßenverkehr ist der Sinngrund unbedeutend. Die Autobahn verläuft weiter östlich. Auch die im 3. Reich projektierte und teilweise gebaute Autobahn verlief östlich des Sinngrundes (siehe unten).

Für den Straßenverkehr ist der Sinngrund unbedeutend. Die Autobahn verläuft weiter östlich. Auch die im 3. Reich projektierte und teilweise gebaute Autobahn verlief östlich des Sinngrundes (siehe unten).

Umso bedeutender ist er dagegen für den Nord-Süd-Eisenbahnverkehr. Bereits 1872 wurde eine erste eingleisige Strecke durch den Sinngrund eröffnet. Erst gut 50 Jahre später wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut. Wiederum gut 50 Jahre später (1988) wurde dann durch den Sinngrund eine ICE-Schnellstrecke mit vielen Tunnels und Brückenbauwerken fertiggestellt. Auf der Altstrecke rumpeln jetzt vor allem Güterzüge.

Strecke 46

Östlich des Sinngrundes wurde 1937 mit dem Bau einer Nord-Süd Autobahnstrecke begonnen. 1940 wurde der weitgehend fertiggestellte Bau wegen des Krieges eingestellt. Nach dem Krieg wurde eine neue Strecke – die heutige A7 – gebaut. Die alte Strecke 46 wurde von Amerikanern und Einheimischen geplündert und geriet dann in Vergessenheit.

Quelle und weitere Informationen: https://www.strecke46.de/docs/info_6_a4_4mb.pdf